Siebenbürgen

Die Reise liegt zwar schon etwas zurück, sie ist aber dennoch in meinem Kopf als wäre es Gestern gewesen, als wir durch die sanften Hügel der Waldkarpaten fuhren und Klausenburg als erste Station der Rundreise erreichten.
Von der einstmals sicher schönen Stadt ging es weiter nach Bistritz. Hier machte Jonathan Harker im Gasthof Krone Rast bevor er um Mitternacht zum Borgopass aufbrach. Die Krone ist heute ein Sterne Hotel mit eigenem Jonathan Harker Salon.
Auch wir brechen von Bistritz zum Borgopass auf und staunen nicht schlecht als wir an der Passhöhe ankommen. Amerikanische und Rumänische Touristik haben einfach Schloss hingestellt und dieses “Schlosshotel Dracula” genannt. Der Name Dracula ist sowieso mit diesem Land verbunden wie sonst wenige andere.

Ein paar wichtige Daten der Geschichte
Um 1142 ruft König Geisa II. deutsche Siedler ins Land. Diese kommen vorwiegend aus Flandern, Franken sowie dem Rheinland um Maas und Mosel. Als Siedlungsgebiet wird ihnen da Land zwischen den Karpaten – das heutige Siebenbürgen – zugewiesen 1224 verleiht der ungarische König Andreas II. den Kolonisten den “Goldenen Freibrief” (Andreanum) Im Jahr 1395 fallen die Türken zum ersten Mal in der Gegend von Kronstadt ein Der ungarische König Mathias Corvinius bestätigt 1486 die Einheit alles Siebenbürger Sachsen (Universität Saxonum) auf dem Königsboden Das Eigen-Landrecht erhalten die Siebenbürger Sachsen 1583 Im 16.Jhdt. Siebenbürgen ein den Türken Tributpflichtiges Fürstentum. Kriege, Seuchen und Hungersnöte zerstören das Land.

Über das Hochplateau des Borgopasses fahren nun ein Stück durch die Bukowina. Während der ganzen Fahrt über das Hochplateau sehen wir nichts anderes als Holzverarbeitung, so viele Holzfäller und Sägewerke auf ein paar Kilometer gibt es sicher nicht oft.

Wieder in Siebenbürgen

Zurück in Siebenbürgen besuchten wir eine Szeklerburg bevor wir Schäßburg erreichten. Schäßburg ist heute das Zentrum der Siebenbürger Sachsen. Hat mit Dracula nur insofern zu tun, als das Vlad III. “Dracul” Tepes wahrscheinlich in der Stadt geboren wurde. In der Altstadt findet sich natürlich auch ein Gebäude an dessen Fassade ein Schild angebracht wurde, dass Dracula hier geboren worden sei. Was aber zu bezweifeln ist.

Vlad III. “Dracul” Țepeș
Vlad III. wurde wahrscheinlich in Schäßburg, um das Jahr 1431 als zweiter Sohn des Vlad II. Dracul und der Prinzessin Cneajna aus dem Fürstentum Moldau geboren. Er hatte zwei Brüder, Mircea II. und Radu cel Frumos (deutsch, Radu der Schöne)
Obwohl seine Heimat die Walachei war, lebte seine Familie im Exil in Siebenbürgen, da Vlad II. von dort ansässigen und das osmanische Reich unterstützenden Bojaren vertrieben worden war.
Im Jahr der Geburt von Vlad III. hielt sich sein Vater in Nürnberg auf, wo dieser in den Drachenorden aufgenommen wurde und dadurch den Namenszusatz Draculea bekam. Im Alter von fünf Jahren wurde auch Vlad III. in den Orden eingeführt.
Schaurige Berühmtheit erlangte Vlad II. unter dem Beinamen “Der Pfähle”, da er in seiner Regierungszeit unzählige Feinde, aber auch Verbreche und Abtrünnige hinrichten lies.

Weiter ging es nun Richtung Kronstadt (Brasov). Die Hauptstadt Siebenbürgens präsentierte sich wesentlich touristischer als jene Städte und Orte die wir bis jetzt besucht hatten. Um vor Bettlern ruhe zu haben parodierte Sicherheitspersonal durch die Straßen des Stadtzentrums. Hier regierte bereits der schnöde Mammon, die Menschen hetzten durch die Straßen und über den Hauptplatz. Wer nicht entsprechend gekleidet war wurde schlichtweg ignoriert, Geschäft lockten mit Gucci und Prada. Zu sehr war diese Stadt auf westlichen Standart getrillt und es sollte noch schlimmer kommen.

nachdem wir Kronstadt hinter uns gelassen haben ging es erst einmal in die Natur. Wir machten einen Abstecher zum Canyon der sieben Treppen. In der engen Schlucht stürzt das Wasser über sieben kleine Wasserfälle in die Tiefe.

Von den sieben Treppen zur Törzburg

Von der Natur ging es zurück in die Zivilisation und hier stand die Törzburg (Bran) auf unserem Programm. Nachdem wir den Eintritt bezahlt hatten wurden uns die Fotoausrüstungen abgenommen mit dem Hinweis, dass Fotografieren verboten sei. In der Burg wurde aber von den übrigen Besuchern fotografiert und gefilmt was das Zeug hielt.
Die Törzburg wird als Draculaschloss vermarktet, in Wirklichkeit hat Vlad III. nie einen Fuß in die Burg gesetzt und der Vampierfürst war einige hundert Kilometer weiter im Norden am Borgopass zuhause.

Die Rosenburg

Die nächste Station fanden wir eher zufällig, sahen wir bei der Fahrt doch auf einem Felsrücken eine imposante Burg, die Rosenburg in Rosenau (Risnov). Die beindruckende Bauernburg thront hoch über dem Ort und wurde bei unserem Besuch restauriert. Hier eröffnet sich aber ein Problem, die Mauerer sind nicht in der mittelalterlichen Baukunst ausgebildet, sondern verwenden moderne Baustoffe, welche wiederum das darunter liegende Mauerwerk angreifen. Auf jeden Fall war die Burg bereits Filmkulisse für Wes Cravens Dracula.

Weiter ging es nun in Richtung Hermannstadt. Vorbei an fruchtbaren Wiesen, die aber nur selten bestellt wurden, im Gegensatz zum Norden wo mit Pferden gearbeitet wurde um den Boden zu bestellen, lag hier das Land auf weiten Flächen brach. An anderen Orten hierum stand das Getreide gut am Feld.
Siebenbürgen ist ein fruchtbares Gebiet, der Reichtum des Landes ist eben der Boden auf dem fast alles wächst und gedeiht.

Die lezten Eindrücke

Auf unserem Weg besuchten wir auch noch die Ruinen der ältesten und südlichsten Zisterzienserabtei Südosteuropas in Kerz. Für alle Reisenden ist in Kerz auch ein Campingplatz zu finden.
Nur wenige Kilometer von Kerz entfernt auf der Hauptroute von Kronstadt nach Hermannstadt führt eine Abzweigung in die hochaufragenden Südkarpaten. Dies ist die wohl schönsten Hochalpine Straße Europas. In unzähligen Serpentinen windet sich die Straße auf rund 2000 Meter. Von Passhöhe führt die Straße durch eine Tunnel in dem sich in der Mitte Gletschers befindet, über welches man fahren muss, in die Walachei.

Von Hermannstadt nochmal nach Schäßburg

Hermannstadt (Sibiu) ist das zweit größte Zentrum des Sachentums in Siebenbürgen. Hier ist das Sachsentum noch sehr lebendig. Die meisten Geschäfte werden von Deutschen betrieben. Die deutschen Schulen werden auch von vielen rumänischen Schülern besucht, da dies die deutsche Sprache als große Chance für ihre Zukunft sehen.
In Hermannstadt befand sich auch das Universitas Saxonum, eine Art Siebenbüger Parlament, welches sich bis 1878 um die Belange Siebenbürgens kümmerte.

Von Hermannstadt aus ging es über eine Seitenroute nochmal zurück nach Schäßburg, dabei besuchten wir die Orte Mediasch, Wurmloch und Deut-Weißkirch. Überall wurden wir freundlich vom jeweiligen Burghüter empfangen und durch seine Kirchenburg geführt, vom Keller bis zum Kirchturm. Nur in Mediasch zeigte der dortige Pfarrer kein Interesse daran mit uns zu sprechen.
Auf jeden Fall gelangen uns tolle Fotos und wir nahmen besondere Eindrücke mit nach Hause als wir Siebenbürgen über Brad wieder verließen und uns Richtung Heimat auf den Weg machten.

Vier Wochen voller toller Erlebnisse lagen hinter uns, freundlichen Menschen, aber auch Steine, die uns hinterher geworfen wurden weil wir kein Geld rausrückten. Die gute Vorbereitung hatte sich ausgezahlt, noch mehr wäre aber besser gewesen. Siebenbürgen war eine Reise die ich nie vergessen werde.

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